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Arbeit gegen Geld

Aktualisiert: März 9

Die bisher reine Tauschbeziehung von Unternehmungen zu ihren Mitarbeitenden in Form von «Arbeit gegen Geld» hat langsam ausgedient. Die Personalabteilungen der Unternehmungen sollten sich vermehrt an den Lebensphasen ihrer Mitarbeitenden orientieren und neue Dimensionen in die Beziehung einbringen.

Die Beziehung zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden ist anhand eines Arbeitsvertrags klar geregelt. Der Arbeitnehmende bietet seine Arbeitskraft und bekommt einen Lohn in der im Vertrag vereinbarten Höhe. Auf dieser Ebene und rein formalistisch betrachtet kann von einer liquidierenden Transaktion gesprochen werden, die nach jeder Lohnauszahlung – in der Regel am Ende des Monats – abgeschlossen wird. Es besteht also nach Abschluss dieser Transaktion keine weitere Verpflichtung zwischen Arbeitnehmendem und Arbeitgebenden.


Die Unternehmungen sind aber zunehmend aufgefordert, eine andere Dimension an Beziehung zu den Mitarbeitenden aufzubauen - ergänzend zur reinen Tauschbeziehung «Arbeit gegen Geld». Der Arbeitskräftemangel besonders im Bereich der Fachkräfte bedingt ein Umdenken bei den Arbeitgebenden, da sich die „Kräfteverhältnisse“ auf dem Arbeitsmarkt verändern und neu die Arbeitnehmenden in die Position kommen, das beste Angebot wählen zu können. Dabei ist nicht nur der externe Arbeitsmarkt relevant, sondern auch der interne Arbeitsmarkt und die systematische Mitarbeitendenbindung. Die Beziehung zwischen Unternehmung und Mitarbeitenden stellt in dieser Betrachtung eine ungünstige Ausgangslage dar: Die Unternehmungen sind gefordert, ihre Bestrebungen zum Erhalt des Wissens (bzw. der Mitarbeitenden) zu intensivieren und den neuen Bedingungen anzupassen. Der Lösungsansatz: Eine lebensphasenorientierte Personalpolitik kann diesen Anforderungen gerecht werden.


Bedeutung von Zeit und Geld

Das stetige Streben nach Wachstum erfordert effiziente Arbeitsgänge und führt mit der technologischen Entwicklung zu zunehmend automatisierten Abläufen. Dieser Drang nach immer mehr Gewinn und die starke Fokussierung auf Leistung und sozialen Status durch Arbeit und Geld haben uns gesellschaftlich geprägt. Die Unternehmungen (als Wirtschaftsvertreter) haben damit Einfluss auf die gesellschaftliche Gestaltung und Lebensweise. Gleichermassen sollten sie entsprechende Verantwortung tragen. Dies wird auch politisch immer stärker eingefordert (z.B. Konzernverantwortungsinitiative). Die leistungsorientierten Generationen (Babyboomer, Gen X) und die starken Geburtenjahrgänge des letzten Jahrhunderts kommen aber jetzt ins Pensionsalter, während zu wenig Nachwuchs auf dem Arbeitsmarkt vorhanden ist. Mit dem Generationenwechsel steht Geld nicht mehr an erster Stelle und Zeit gewinnt zusehends an Bedeutung. Die Unternehmungen müssen darauf reagieren, um attraktiv und leistungsfähig zu bleiben.

"Man sollte mehr Zeit in seine Arbeit und mehr Arbeit in seine Zeit stecken" - Friedrich Dürrenmatt

Lebensphasenorientierte Personalpolitik

Dieses Konzept legt den Fokus nicht auf den ausscheidenden Mitarbeitenden kurz vor der Pensionierung, sondern spricht die Mitarbeitenden aller Altersstufen und vor allem in allen Lebenslagen an, z.B. zur besseren Vereinbarkeit von Berufs-, Privat- und Familienleben. Die betrieblichen Bedürfnisse sollen in Einklang gebracht werden mit den unterschiedlichen Belangen der Mitarbeitenden. Und diese Belange ändern sich mit den Lebensphasen. Es braucht eine neue Dimension der Beziehung auf Augenhöhe und eine Partnerschaft über das gesamte Erwerbsleben hinweg. Die Attraktivität einer Unternehmung als Arbeitgeber bezieht sich nicht mehr nur auf die Höhe des Gehalts, sondern auch auf eigene Wertvorstellungen und persönliche Ziele und wie gut diese bedient werden. Lebensphasenorientiert heisst hierbei, dass die Angebote je nach beruflicher und privater Lebensphase eines Mitarbeitenden (Berufseinstieg, Familienplanung, Laufbahnplanung) verschiedene Möglichkeiten bieten, adaptiert auf die Anforderungen der jeweiligen Phase.

Konkret sind dies beispielsweise

  • längere Vaterschaftsurlaube

  • Zeitsparkonten, auf die Lohn «eingezahlt» und in Form von Zeit angespart werden kann

  • Betreuung / Pflege von kranken Angehörigen


Neue Ausrichtung

Bisher konnten sich Unternehmungen sehr gut auf den Absatzmarkt ihrer Branche konzentrieren. Doch mit den technischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Dekade bedarf es mehr Employer Branding und Ausrichtung nach innen zu den Mitarbeitenden. Neue Dimensionen in der Beziehung zwischen Unternehmung und Mitarbeitenden ermöglichen es, diesen Herausforderungen nachhaltig zu begegnen. Eine lebensphasenorientierte Personalpolitik wird im immer härter umkämpften Arbeitsmarkt Wettbewerbsvorteile bringen.


Je mehr der Mitarbeitende als Ganzes gesehen wird – mit Erfahrungen und Emotionen aus Beruf und Privatem statt als reiner Funktionsträger zur Ausübung einer fix definierten Aufgabe - und je weniger Leistung mit Präsenz gleichgesetzt wird, desto erfolgreicher werden Arbeitgeber sein. Und damit auch die wachsende gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen können.


Die Lebensphasenorientierte Personalpolitik – Jutta Rump, Silke Eilers


#Personalpolitik #Arbeit #Geld #Zeit #Tausch

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