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  • Daniel Angerhausen

Nicht mehr lang allein? Auf der Suche nach Leben im All

Vor 20 Jahren gelang zum ersten Mal, was bis dahin nur Science-Fiction war: die Entdeckung eines Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems. Mit heutigen Technologien gewinnen wir erstmals einen Einblick in die Zusammensetzung dieser ausserirdischen Welten. Schon die nächste Generation von Teleskopen kann eine der ältesten Fragen der Menschheit beantworten: “Sind wir alleine im Weltall?“. Um dies herauszufinden, müssen Forscher aus vielen Wissensgebieten eng zusammenarbeiten.


"Zwei Möglichkeiten existieren: Entweder sind wir alleine im Universum oder wir sind es nicht. Beide Vorstellungen sind gleich furchterregend” sagte einst Kult-Science-Fiction Autor Arthur C. Clarke. Diese Frage, ob Planeten und andere Sterne ausser unserer Sonne existieren und ob diese auch Leben beheimaten können, ist eine der ältesten Fragen der Menschheit. Angefangen in der Antike mit Epicurus, über Giordano Bruno oder Isaac Newton beschäftigten sich viele grosse Denker mit der Möglichkeit von “ähnlichen Systemen von ähnlichem Aufbau” und “unendlichen Welten, sowohl gleich als auch anders als die unsere”.


Eine Frage mit Schweizer Geschichte und Zukunft

Erst in den letzten 20 Jahren haben wir angefangen, erste Antworten auf diese mindestens 3000 Jahre alte Frage zu finden. Die erste Entdeckung eines Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems gelang einem Schweizer Team in 1995 und für diese erhielten Michel Mayor und Didier Queloz in 2019 den Nobelpreis in Physik. Seitdem hat sich das Forschungsgebiet dieser sogenannten extrasolaren Planeten rasant entwickelt. Neben der Entdeckung von inzwischen mehreren tausend Exoplaneten ist es heute erstmals möglich, auch die Zusammensetzung der Atmosphären einiger gut geeigneter Kandidaten zu erforschen. Das funktioniert mit den existierenden Teleskopen bisher meist nur für relativ grosse und heisse Planeten, zum Beispiel sogenannten «Hot Jupiters» - Planeten von der Grösse der Gas-Giganten in unserem Sonnensystem auf Umlaufbahnen um ein vielfaches näher als der Merkur um die Sonne.


Um Planeten von der Grösse und Beschaffenheit der Erde systematisch zu erforschen, braucht es die nächste Generation von Teleskopen. An der ETH in Zürich arbeiten wir an einem dieser zukünftigen Observatorien mit dem vielversprechenden Namen LIFE (Large Interferometer For Exoplanets). Bei LIFE handelt es sich um eine Anordnung von mehreren Weltraumteleskopen, die zusammengeschaltet im infraroten Licht erdähnliche Planeten finden und charakterisieren können. Dabei benutzt es eine Technik, die das viel hellere Licht des jeweiligen Zentralsterns auslöscht, um das des Planeten alleine zu betrachten. Falls Leben auf diesen Erdgeschwistern existiert, könnte LIFE sogenannte Biosignaturen (Spuren von Leben im Licht, das von den Atmosphären dieser Planeten ausgesendet wird) entdecken.


Wenn alles nach Plan läuft, wird LIFE gestartet, kurz bevor ich in Rente gehe - also in 20 bis 25 Jahren. Um mit LIFE dann aber tatsächlich Leben zu entdecken, müssen wir schon heute in vielen Fachbereichen zusammenarbeiten.


Modell des LIFE Weltraum Observatoriums


«Wenn ich gefragt werde was das Ziel in meiner wissenschaftlichen Karriere ist, dann antworte ich immer: Ich will Teil des Teams sein, das Leben im All findet.» Daniel Angerhausen

Astrobiologie als fachübergreifendes Puzzle

  • Biologen beschäftigen sich mit der Entstehung des Lebens im All aus den chemischen Grundbausteinen.

  • Geologen erforschen, wie sich Vulkanausbrüche auf die Lebensbedingungen von Planetenatmosphären auswirken.

  • Ingenieure fragen, wie gross und empfindlich zukünftige Teleskope wie LIFE gebaut werden müssen, um genug dieser ausserirdischen Welten sehen zu können.

  • All diese Information werden im fachübergreifenden Forschungsgebiet der Astrobiologie kombiniert.

Bis wir eine Antwort auf «Sind wir alleine im Weltall?» haben, müssen diese Puzzleteile aus den verschiedenen Bereichen zusammengesetzt, die Kommunikation zwischen den Wissenschaften verbessert und Unterstützung in Industrie und Wirtschaft gefunden werden.


Doch in einer Frage sind sich die Forscher aller Disziplinen schon heute einig: Wir sind die erste Generation in der Menschheitsgeschichte, die eine realistische Chance hat, diese uralte Frage zu beantworten...


#LebenImAll #Exoplaneten #Astrophysik #Astrobiologie #ETH


Möchtest Du mehr über das LIFE Teleskop erfahren? www.life-space-mission.com

Twitter: @LIFE_Telescope

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